Es ist wichtig, Verantwortung für die eigenen Finanzen übernehmen. Altersarmut wirkt erst einmal wie ein riesiges Thema, kaum zu überblicken und viel zu kompliziert.  Finanzbildung hilft dabei, eine Versorgungslücke zu erkennen, das richtige Produkt zu wählen und Beratung zu erhalten.

Im ersten Schritt stellen sich insbesondere die folgenden Fragen:

  1. Wie ist meine aktuelle finanzielle Situation?

  2. Welchen Lebensstandard wünsche ich mir?

  3. Welchen Lebensstandard kann ich mir leisten?

  4. Wie bin ich gegen Lebensrisiken abgesichert? (… geht bei der Haftpflicht los, umfasst aber auch Themen wie eine Berufsunfähigkeitsversicherung)

 

Was können wir konkret tun?

 

Reden, reden, reden

Die Themen Finanzen, Altersvorsorge und Vermögensaufbau sind mittlerweile in vielen Bereichen ein Thema. Trotzdem hält sich die Redewendung „über Geld spricht man nicht“ sehr hartnäckig.  Über Geld reden erfordert Mut, aber es wird mit jedem Gespräch leichter und ist irgendwann völlig normal. Es kann mit einer simplen Frage an eine Freundin beginnen: „Wie machst Du das eigentlich, dass Du den Überblick behältst?“ Fast noch wichtiger ist das Reden mit dem Partner: Wie sollen unsere Finanzen organisiert werden? Haben wir gemeinsame Konten, wie gehen wir mit Gehaltsunterschieden um? Wie gehen wir damit um, wenn einer von beiden in Elternzeit geht und dann weniger Einkommen hat? Es gibt keine einzig wahre Lösung für alle. Wichtig ist, im Gespräch zu bleiben und zu schauen, wie die Interessen liegen und wir diese bestmöglich zusammengebracht werden können. Bleibt ein Partner für längere Zeit zu Hause, sollte dringend besprochen werden, wie hier in Hinblick auf die Altersvorsorge ein Ausgleich geschaffen werden kann. Es ist wichtig, sich und den Partner gegenseitig fürs Alter abzusichern. Eine Option wäre zum Beispiel von vornherein via Ehevertrag die Altersvorsorge beider abzusichern. Dazu gehört auch die Bereitschaft Geschlechterrollen in Frage stellen. Muss ich ein Jahr Elternzeit nehmen oder können sich die Eltern die Elternzeit teilen? Wie gestaltet sich der berufliche Wiedereinstieg?

Ausgaben überprüfen

Im nächsten Schritt geht es darum, die eigenen Ausgaben zu überprüfen. Ein gutes Instrument ist ein Haushaltsplan: Wieviel gebe ich für was aus? Die Ausgaben sollten kritisch überprüft werden. Es kann schon reichen, drei Monate ein Haushaltsbuch zu führen. Als nächstes muss überlegt werden: Wo kann ich sparen? Was kann ich sparen? Was bin ich bereit zu sparen?

  • Kann ich mit den Ausgaben leben, wie sie sind? Gibt es vielleicht Emotionskäufe? Gehe ich immer dann einkaufen, wenn es mir schlecht geht?

  • Kleinausgaben häufen sich: Jeden Tag Mittagessen gehen kostet Geld.

  • Bewusste Entscheidungen treffen: Es ist ok, mehr Geld für etwas auszugeben, aber ich sollte mich bewusst dafür entschieden haben.

  • Nicht die Fixkosten vergessen: Habe ich den Telefonvertrag schon 5 Jahre? Kritisch überprüfen, ob eine Kündigung Sinn macht. Das ist zwar erst einmal nervig, aber spart wirklich bares Geld. Kleines Beispiel bei mir: Ich habe nach 24 Monaten meinen Telefonvertrag fürs Festnetz gekündigt, weil der Preis von 15 auf 25 Euro steigen sollte: Zack hatte ich ein Angebot, dass ich den Vertrag weitere 24 Monate zu dem Preis nutzen kann.

  • Nach allen Erkenntnissen bleibt hoffentlich am Ende ein Betrag über, der zum Beispiel für die Altersvorsorge genutzt werden kann. Auch 25 Euro sind schon ein guter Start.

 

Kann ich mein Einkommen erhöhen?

Nicht nur die Ausgaben sind ein Hebel, sondern auch die Einnahmen. Das kann übrigens diverse Bereiche betreffen:

  • Kann ich meine Stunden aufstocken bzw. wieder aufstocken?

  • Gehalt verhandeln! Dabei zu bedenken: Auch Teilzeitarbeit verdient ein gutes Gehalt! Viele stellen ihr Gehalt nicht in Frage und verhandeln es daher auch nicht. Wichtig ist ein möglichst hohes Einstiegsgehalt, die Berufsplanung möglichst langfristig angehen: Weiß die Chefin bzw. der Chef, dass ich perspektivisch wieder in Vollzeit arbeiten möchte, plant sie anders mit mir.

  • Kann ich einen Nebenjob machen? Vielleicht gibt es eine Tätigkeit, die mir Spaß macht und ich jetzt schon recht häufig mache?

  • Augen auf beim Arbeitgeber: Schreibt der Arbeitgeber sich z.B. Familienfreundlichkeit nur auf die Fahnen oder ist er es tatsächlich?

  • Welche Nebenleistungen erhalte ich? Bekomme ich vermögenswirksame Leistungen? Gibt es Zuschüsse zu einem Dienstfahrrad o.ä.?

 

Schulden zahlen

Zweimal jährlich ermittelt die GfK Finanzmarktforschung für den Bankenfachverband den aktuelle Konsumkredit-Index.[1] Die Untersuchung zeigt, dass Menschen Ratenkredite nicht nur für typischen Konsum (Urlaub, Möbel, Computer) ausgeben, sondern auch für Aspekte wie Renovierung oder medizinische Behandlungen. Das deutet daraufhin, dass es keine Ersparnisse für solche Fälle gibt oder diese nicht ausreichen. Alarmsignale sind außerdem der Ausgleich des Dispos und die Ablösung eines Ratenkredits: Sie können der Beginn einer Schuldenspirale sein. Es ist wichtig die Schulden schnellstmöglich zu zahlen, denn ein Kredit kostet oft nicht nur Nerven sondern auch Geld! Das Thema Konsumschulden wird mitunter sehr emotional und moralisch diskutiert. Jede bzw. jeder zehnte in Deutschland ist überschuldet. Es ist also kein Randphänomen.

 

Notgroschen

Ein Notgroschen dient dazu, um zum Beispiel medizinische Behandlungen oder eine Renovierung ohne einen Kredit stemmen zu können. Der Notgroschen sollte drei bis sechs Nettoeinkommen betragen. Er sichert ab, wenn man plötzlich arbeitslos und/oder krank wird. Wichtig ist, ihn nur dann zu nutzen, wenn ein Notfall eintritt.

 

Vorsorgen

Nach der Beschäftigung mit den vorherigen Themen geht es an die Altersvorsorge. Kleine Beiträge können schon eine große Auswirkung haben. Natürlich kann es immer sein, dass es Zeiten gibt, in denen man weniger sparen kann: Das ist kein Problem und völlig normal! Je früher man anfängt, umso leichter ist es.

Früh sparen rechnet sich im wahrsten Sinne des Wortes. Es ist wichtig, sich frühzeitig damit auseinanderzusetzen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.

Laut aktuellen Empfehlungen sollten ca. 10 Prozent des aktuellen Einkommens für die Altersvorsorge zurückgelegt werden. Wer „erst“ mit Mitte 40 anfängt, muss natürlich mehr zurücklegen. Wenn das Thema nicht direkt mit 20 angegangen wurde, sollte man sich aber nicht grämen. Hauptsache, es wird jetzt in die Hände genommen. Jetzt ist immer noch früh genug.

Je früher ich spare und umso mehr ich verdiene, umso weniger muss ich zurücklegen. Sparen muss dabei nicht super kompliziert sein. Der Zinseszinseffekt hat hier große Wirkung. Viele denken 50 Euro im Monat lohnt sich nicht, aber das sind 600 Euro im Jahr und darauf gibt es jedes Jahr Zinsen.

Fazit

Nur Mut: Anfangen heißt die Devise. Auch kleine Beträge helfen schon. Man muss nicht alles wissen und selbst machen, aber man muss wissen, wen man fragen kann und man sollte in Grundzügen verstehen, was passiert. Es kommt darauf an, eine informierte Entscheidung zu treffen.

Autorin: Dr. Sally Peters, Geschäftsführende Direktorin des iff (Institut für Finanzdienstleistungen)

 

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Literaturverzeichnis
Bankenfachverband e.V. (2020): Konsumkreditindex KKI 2020. Prognose der Konsumkredit-Nutzung in Deutschland, URL: https://ssl.bfach.de/media/file/34311.Konsumkredit-Index%20KKI%202020%20BFACH%20Studie.pdf, Stand: 25. Mai 2020.
BMFSFJ (2016): Mitten im Leben. Wünsche und Lebenswirklichkeiten von Frauen zwischen 30 und 50 Jahren, URL: https://www.bmfsfj.de/blob/94354/4c4555e44cdd10f2b6654df80c982c29/mitten-im-leben-wuensche-und-lebenswirklichkeiten-von-frauen-zwischen-30-und-50-jahren-data.pdf, Stand: 2. Januar 2020.
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) (2017): Zweiter Gleichstellungsbericht der Bundesregierung. Eine Zusammenfassung, Berlin, URL: https://www.bmfsfj.de/blob/122398/9f7c1606b5c59e2da966456f1e069270/zweiter-gleichstellungsbericht-der-bundesregierung-eine-zusammenfassung-data.pdf, Stand: 1. Juli 2020.
Dachverband Migrantenorganisationen (DaMigra e.V.) (18.03.2020): DaMigra zum Equal Pay Day am 18. März 2019 – Wann ist der Equal Pay Day für Migrantinnen*?, Berlin.
Deutsche Rentenversicherung (2020): Rentenatlas 2019. Die Deutsche Rentenversicherung in Zahlen, Fakten und Trends, URL: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/SharedDocs/Downloads/DE/Statistiken-und-Berichte/Rentenatlas/2019/rentenatlas_2019_download.pdf?__blob=publicationFile&v=6, Stand: 9. Juni 2020.
Gehalt.de (2020): 2020 Equal Pay Studie, Hamburg, URL: https://cdn.gehalt.de/cms/equal-pay-studie-2020.pdf, Stand: 10. Juni 2020.
[1] Bankenfachverband e.V. (Hrsg.) (2020).
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