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iff-Überschuldungsreport

Der jährlich erscheinende iff-Überschuldungsreport, der mit Unterstützung der Stiftung Deutschland im Plus in 2019 zum 14. Mal in Folge veröffentlicht wurde, beschreibt die wirtschaftliche und soziale Realität der Menschen, die ihren finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen können. Ziel der Studie ist es unter anderem, den beteiligten gesellschaftlichen Gruppen aus Politik, Verwaltung und Schuldnerberatung, den betroffenen Haushalten und den Anbietern von Finanzdienstleistungen belastbare Daten zur Verfügung zu stellen.

Ergebnisse 2019 – Armut ist immer häufiger Auslöser für Überschuldung

Der iff-Überschuldungsreport erscheint seit 2006 und wird von einem Team aus Soziologen, Juristen und Volkswirten erstellt. Ausgewertet wurden die Daten von 104.000 überschuldeten Haushalten in 39 Schuldnerberatungsstellen. Die Studie analysiert die Schulden, Verzugszinsen sowie die Kosten der Rechtsverfolgung bei den verschiedenen Gläubigergruppen.

Wichtige Erkenntnisse aus dem iff-Überschuldungsreport 2019

Einkommensarmut als Überschuldungsauslöser steigt stetig.

Einkommensarmut ist seit geraumer Zeit der am stärksten zulegende Überschuldungsauslöser. Nach der Finanzkrise 2008 waren niedrige Einkommen noch in lediglich 2,5 Prozent der Fälle ursächlich für die Überschuldung. Zehn Jahre später ist das bereits in 9,6 Prozent der Beratungen der Fall. Gerade im Falle eines verhältnismäßig niedrigen Einkommens ist es, aufgrund des übermäßig hohen Überschuldungsrisikos nötig, bei einem finanziellen Engpass möglichst rasch professionelle Hilfe aufzusuchen. Dies zeigen auch die aufgelaufenen Zinsen und Kosten. Bei Versicherungsschulden, Versandhandel und Inkassoforderungen türmen sich jeweils im Mittel mindestens ca. ein Fünftel zusätzliche Kosten zuzüglich zur Originalforderung auf. Dies ließe sich häufig vermeiden. Gerade aber die Stigmatisierung und falscher Stolz halten viele Menschen von einem Eingeständnis ihrer Situation ab.

Einkommensarm und damit überschuldungsgefährdet sind vor allem auch die, die über eine schlechte Ausbildung verfügen.

Betroffene finden häufig trotz hervorragender Arbeitsmarktbedingungen keine oder lediglich prekär bezahlte Arbeit. Die  Zahl der in Leiharbeit tätigen nimmt seit Jahren zu. Auch wer Teilzeit arbeitet, verdient trotz Mindestlohn oft nicht genug zum Leben. Die Kluft zwischen Arm und Reich weitet sich an den Rändern schneller. So hat sich das Einkommen der Reichsten am dynamischsten entwickelt, das Pro-Kopf-Einkommen der Überschuldeten profitiert hingegen nicht merklich von der positiven Nettolohnentwicklung. Es hat sich von 2017 auf 2018 lediglich um 11 Euro erhöht.

Alleinerziehende haben ein besonders hohes Überschuldungsrisiko.

Wenn man sich die Ärmsten der Armen genauer betrachtet, die Überschuldeten, zeigt sich leider: Kinder sind ein Überschuldungsrisiko, das mit der Zahl der Kinder zunimmt. Gleiches gilt für Alleinlebende. Sie verfügen über kein weiteres Haushaltseinkommen, mit dem sie etwaige Sonderausgaben oder Einkommensunterbrechungen ausgleichen könnten. Demgegenüber haben Paare ohne Kinder das geringste Risiko arm zu sein. Zwei Haushaltseinkommen und das Fehlen zusätzlicher Kosten für den Nachwuchs sind ein guter Überschuldungsschutz.

Einzelforderungen: Bankforderungen sind am höchsten.

Bankenforderungen sind mit 2.579 Euro mit deutlichem Abstand am höchsten. Dahinter folgen Telekommunikationsschulden mit 533 Euro. Öffentlich-rechtliche Forderungen belaufen sich auf 406 Euro. Die typische Forderung der Inkassounternehmen oder Rechtsanwälten liegt bei 351 Euro. Unterhaltsberechtigte und sonstige private Gläubiger liegen mit 329 Euro nur knapp darunter.

Am häufigsten sind Forderungen von öffentlich-rechtlichen Gläubigern.

Von den insgesamt 119.360 Forderungen, die für 2018 in dem Datensatz vorhanden sind, gehören 20.886, das heißt, rund 17 Prozent zu dieser Gruppe. 14.419 bzw. 12 Prozent der Forderungen sind von Telekommunikationsunternehmen beinah ebenso viele stammen von Inkassounternehmen oder Rechtsanwälten (14.253). Weitere der Häufigkeit nach bedeutende Gläubigergruppen sind der Versandhandel, Vermieter und Versorgungsunternehmen, die jeweils knapp zehn Prozent der Forderungen der Anzahl nach ausmachen.

25 BIS 45-Jährige sind doppelt so häufig unter Beratenen vertreten wie in der Gesamtbevölkerung.

Der Anteil der 25- bis 45-Jährigen ist ungefähr doppelt so hoch wie in der Gesamtbevölkerung. Die unter 25-Jährigen sind ungefähr ein Fünftel so häufig wie in der Gesamtbevölkerung in der Schuldnerberatung vertreten. Die 45- bis 60-Jährigen weisen einen Faktor von rund eins auf, das heißt, sie sind genauso häufig unter den Verschuldeten wie in der Gesamtbevölkerung anzutreffen. Die über 60-Jährigen hingegen sind deutlich unterrepräsentiert und kommen unter den Überschuldeten lediglich ein Viertel mal so häufig vor wie in der Gesamtbevölkerung.

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