Warum finanzielle Bildung für junge
Menschen so wichtig ist

Gastbeitrag von Ricardo Tunnissen

Wie eine Untersuchung der European Fund and Asset Management Association (Efama) über das Finanzwissen der Menschen in verschiedenen europäischen Ländern zeigt, sind in Deutschland gravierende Defizite beim Wissen über
Finanzfragen zu verzeichnen. Ähnliche Ergebnisse zeigt eine Jugendstudie des Bankenverbandes.


Dabei ist es gerade für junge Menschen wichtiger denn je, über Themen wie Wirtschaft, Inflation und Geldanlagen Bescheid zu wissen. Die Folgen von mangelndem Finanzwissen können Überschuldung und fehlende Altersvorsorge sein.

Studien zeigen Mangel an finanzieller Bildung in der jungen Generation


In einem Bericht über das Engagement der europäischen Vermögensverwaltungsbranche zu Finanzbildungsinitiativen weist die Efama auf das mangelnde Finanzwissen in Deutschland hin. Gerade in der jungen Generation sind die Wissensdefizite gravierend. Während 61 Prozent der Jugendlichen ihre Kenntnisse in Finanzfragen als befriedigend oder ausreichend bezeichnen, sprechen 20 Prozent von schlechten oder ungenügenden Kenntnissen.

Die Jugendstudie des Bankenverbandes von Ende 2021 belegt ebenfalls die Defizite bei jungen Menschen im Wirtschafts- und Finanzwissen. Zwei Drittel der Befragten im Alter von 14 bis 24 Jahren gaben an, wenig über Finanzen und Wirtschaft in der Schule gelernt zu haben.

30 Prozent lernen so gut wie nichts über Finanzen

Auf die Frage „Welche Erfahrungen hast Du an Deiner (zuletzt besuchten) Schule gemacht? Hast Du dort viel, nicht so viel oder so gut wie nichts über Wirtschaft und
Finanzen gelernt?“ gaben 38 Prozent an, nicht viel, erschreckende 30 Prozent sogar, so gut wie nichts über Finanzen gelernt zu haben.

Ein wichtiges Thema beim Sparen und Vermögensaufbau ist die Inflation. Von den Befragten im Alter von 14 bis 24 Jahren kennen vier von zehn den Begriff „Inflation“ nicht. Die Höhe der Inflationsrate konnten zum Zeitpunkt der Befragung neun von
zehn nicht einmal ungefähr benennen.

Wirtschaft als eigenes Schulfach gewünscht

Interessant ist hingegen, dass rund 77 Prozent der Befragten für Wirtschaft als eigenes Schulfach plädieren. Dies ist eine klare Steigerung gegenüber 2018, wo gerade einmal 65 Prozent der 14 – 24-Jährigen ein solches Unterrichtsfach für notwendig hielten. Erschütternde Ergebnisse ergab auch eine aktuelle Forsa-Umfrage unter jungen Menschen im Alter zwischen 18 und 29 Jahren.

Mehr als der Hälfte der Befragten sind die Begriffe „Rendite“ oder „Vermögenswirksame Leistungen“ nicht bekannt.

Bedeutung von Finanzwissen für die junge Generation

Finanzwissen ist für die junge Generation wichtiger denn je. Nur mit einer guten Finanzbildung können junge Erwachsene die richtigen Entscheidungen zur Vermögensbildung und ausreichenden Altersvorsorge treffen. Gerade in einer Zeit, in der die gesetzliche Rente immer geringer ausfällt, ist eine gute persönliche Altersvorsorge wichtig. Sparbücher und Lebens- oder Rentenversicherungen bringen nur geringe Erträge. Es kommt daher auch darauf an, sich mit alternativen Geldanlagen wie ETFs, Investmentfonds oder Aktien zum langfristigen Vermögensaufbau vertraut zu machen.

Kredite und Kreditkarten mögen verlockend sein, denn sie helfen bei der Überbrückung finanzieller Engpässe. Ratenzahlungen, beispielsweise beim Kauf von Möbeln oder bei der Bestellung in Onlineshops, verleiten zum Kauf, da die monatliche finanzielle Belastung nur gering erscheint. Worüber viele nicht nachdenken, ist der direkte Weg in die Schuldenfalle. Alles
beginnt mit einem negativen Schufa-Eintrag, wenn Rechnungen nicht mehr pünktlich bezahlt werden. Mit einem negativen Schufa-Eintrag ist es oft nicht mehr möglich, einen Kredit zu bekommen oder verschiedene Verträge, beispielsweise Handy-Verträge, abzuschließen.
Schlimmstenfalls droht die Privatinsolvenz, wenn es junge Menschen nicht gelernt haben, mit Geld umzugehen.

Was tun gegen finanzielle Bildungsdefizite?


Alles beginnt bereits in der Schule. Das Fach Wirtschaft steht leider nicht in allen Bundesländern auf dem Lehrplan. Es wäre eine gute Möglichkeit, den Schülern den richtigen Umgang mit Geld die Vermeidung von Überschuldung das Sparen und solide Investieren die Möglichkeiten für die eigene Altersvorsorge die Inflation und deren Auswirkungen
und viele andere Themen über Wirtschaft und Finanzen zu vermitteln.

In verschiedenen Ländern wird über einen Finanzführerschein diskutiert. Diese Idee wurde in Österreich bereits umgesetzt und wäre auch in Deutschland sinnvoll. Junge Menschen könnten, ähnlich wie beim Auto-Führerschein, nach einem Lehrgang ihr Wissen zum Umgang mit Geld und zur Altersvorsorge in einer Prüfung beweisen.

Finanzielle Bildung geht auch auf Social Media


Hilfreich sind auch verschiedene Online-Portale, Blogs oder auch Social Media Kanäle zu den Themen Wirtschaft und Finanzen. Sie sind teilweise kostenlos zugänglich und vermitteln umfangreiches Wissen zu aktuellen -wirtschaftspolitischen Themen, aber auch zu Geldanlagen.
Finanzielle Bildung ist für junge Menschen wichtig und wird in Zukunft immer mehr an Bedeutung zunehmen. Die Bereitschaft und das Interesse der jungen Generation an diesen Themen ist hoch. Das ist eine wichtige und erfreuliche Ausgangslage.

Über den Autor:
Ricardo Tunnissen ist ehemaliger Banker und teilt auf seinem Finanzblog unter www.ricardotunnissen.de Tipps und Informationen zu finanziellen Themen. Der diplomierte Bankbetriebswirt BankColleg ist auch auf Social Media präsent, um dort speziell junge Menschen zu erreichen und über Finanzen und den richtigen